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Referatsleiterin der Stadt Leipzig verwehrt Teilnahme

Anlehnung_Stadt_Leipzig

Stellungnahme zur Abweisung der Bewerbung vom Bezirksverband Nordsachsen der Basisdemokratischen Partei Deutschland zu den „Internationalen Wochen gegen Rassismus“

Internetseite Referat für Migration und Integration der Stadt Leipzig
Internetseite Referat für Migration und Integration der Stadt Leipzig

Wo beginnt Rassismus und Diskriminierung? Dieser Fragestellung wollte der dieBasis Bezirksverband Nordsachsen in einer multimedialen Lesung auf den Grund gehen. Geplant war eine Veranstaltung innerhalb der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Fristgerecht wurde über das Antidiskriminierungsbüro die Anmeldung eingereicht. Eine Reaktion bekamen wir erst auf schriftliche Rückfrage, allerdings vom Referat für Migration und Integration der Stadt Leipzig.

Die Referatsleiterin teilte ohne Erklärung mit, dass die angekündigte Veranstaltung nicht in das Gesamtprogramm aufgenommen werden könne. Sie entspräche nicht den Kriterien der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Kein Wort zu den Kriterien, welche auch nirgends im Bewerbungsverfahren oder auf der Internetseite zur Bewerbung gelistet waren. Auf Nachfrage wurden unhaltbare Gründe zur Ablehnung vorgebracht.

Dem Informationstext im Antragsformular könne kein kritischer Umgang mit dem Thema Rassismus entnommen werden. Der Titel enthalte „das N-Wort“, welches rassistisch wäre. Im Satz in der Veranstaltungsbeschreibung „Ziel der Veranstaltung ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen ,Rassismus‘ heute und im Wandel der Zeit.“, wurde das Wort Phänomen beanstandet. Rassismus als Phänomen zu bezeichnen, würde unterstellen, dass Rassismus keine Tatsache ist.

Auf die E-Mail zur Entkräftung der fadenscheinig anmutenden Argumente seitens der Referatsleiterin und der Änderung des Titels sowie Info-Textes kam keine Antwort. Hier die Entgegnung:

„Neger, Neger, Schornsteinfeger“ ist ein sehr bekanntes Buch – eine Autobiografie von Hans-Jürgen Massaquoi. In diesem Buch wird die Geschichte eines dunkelhäutigen Jungen in der NS-Zeit beschrieben. Das Buch behandelt den sogenannten strukturellen, den institutionellen Rassismus als auch für den Alltagsrassismus.

Die Autobiografie (https://www.fischerverlage.de/buch/hans-j-massaquoi-neger-neger-schornsteinfeger-9783104002996) wurde mit Veronica Ferres in der Hauptrolle verfilmt (https://de.wikipedia.org/wiki/Neger,_Neger,_Schornsteinfeger!).

Im Veranstaltungskalender zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus auf der Internetseite der „Stiftung gegen Rassismus“ finden sich Eintragungen mit N-Wörtern oder vergleichbaren Begriffen:

„Typisch Zigeuner“? – Mythos und Wirklichkeit
https://stiftung-gegen-rassismus.de/event/typisch-zigeuner-mythos-und-wirklichkeit

„I’m not your negro
https://stiftung-gegen-rassismus.de/event/im-not-your-negro

„Zwischen Gastarbeiter*innenschaft und der rassistischen Diskussion rund um „Nafris““
https://stiftung-gegen-rassismus.de/event/zwischen-gastarbeiterinnenschaft-und-der-rassistischen-diskussion-rund-um-nafris

Idee und Konzeption der multimedialen Lesung wurden von Kerry Charles Cherki erstellt. Als dunkelhäutiger Mensch – geboren und aufgewachsen in Deutschland – ist Herrn Cherki Rassismus in vielen Aspekten begegnet. Von persönlichen Beleidigungen bis hin zu tätlichen Angriffen. „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ ist ein Buch, welches besonders unter Menschen bekannt ist, die einen dunkelhäutigen und einen hellhäutigen Elternteil haben. Eine Verwendung des N-Wortes „Neger“ im Titel der Veranstaltung ist keine Herabwürdigung – wie es von der Referatsleiterin vorgebracht wurde.

Der sprachlichen Definition zum Begriff „Phänomen“ kann keineswegs gefolgt werden. Schauen wir im Wörterbuch, so finden sich folgende Ausführungen:

Phänomen:
1. << bildungssprachlich >> etwas, was sich beobachten, wahrnehmen lässt; [bemerkenswerte] Erscheinung „ein physikalisches, meteorologisches, seltenes, alltägliches Phänomen“
2. << Philosophie >> das Erscheinende, sich den Sinnen Zeigende; der sich der Erkenntnis darbietende Bewusstseinsinhalt

Ziel der Lesung muss und sollte sein, neben den ohnehin bereits sensibilisierten Menschen, auch Menschen anzusprechen, denen die unterschiedlichen Äußerungen von Rassismus in unseren Gesellschaften noch unbekannt sind. Das Schweigen der Referatsleiterin und die Nichtaufnahme in das Gesamtprogramm der Internationalen Wochen gegen Rassismus legt hier eine institutionelle Diskriminierung seitens des Referats Migration und Integration der Stadt Leipzig nahe. Es wurde keinerlei Bereitschaft zur Kooperation oder Zusammenarbeit gezeigt.

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