Suche
  • Tel.-Nr.: 0351/7999274-0 | Fax-Nr.: 0351/7999274-99
  • E-Mail: gs@diebasis-sachsen.de
Suche Menü

Sarah’s Gedanken – Wenn kein Argument mehr etwas nützt, hilft nur Vergebung

handshake g00bbafa02 1920

Kannst du dir vorstellen, dass hinter dem, was wir Politik und Medien nennen, Menschen stecken, die fehlbar sind? 

Die aufgrund gewisser menschlicher Eigenarten eben nicht immer vertrauenswürdig und für jeden gut agieren?

Lies weiter, ich erkläre dir, was ich damit meine.

Kennst du das Gefühl, das sich in dir breit macht, wenn jemand anderes deinem Rat nicht folgt, etwas tut, von dem du überzeugt bist, dass es falsch ist?

Mein liebstes Beispiel dafür ist, wenn meine Tochter keine Jacke anziehen möchte, obwohl es draußen kalt ist. 

Ich bin davon überzeugt, dass sie frieren wird, sich bei mir darüber beschwert, wir zurücklaufen und eine Jacke holen müssen und sie vielleicht einige Tage später einen Schnupfen bekommt. Wie gehe ich also mit dieser Situation um? 

Gemäß der gängigsten Sozialisierung in Deutschland würden die meisten Eltern Ermahnungen aussprechen, überreden, drohen, eine mehr oder weniger plausible Strafe oder Belohnung in Aussicht stellen, schimpfen, dem Kind die Jacke anziehen und damit aufzwingen.

Dr. Gerald Hüther nennt diese Variante, miteinander umzugehen, Objektifizierung. 

Er meint damit den uns allen innewohnenden Impuls, unser Gegenüber als unbelebtes Wesen ohne eigene Gedanken, Intensionen, Motivationen und Einschätzungskompetenz zu behandeln. Jemandem seine eigenen Vorstellungen von Richtig und Falsch über zu stülpen. Ihm keine Wahl zu lassen, ihn, direkt oder indirekt, durch Drohung, psychologische Manipulation oder Belohnung, zu dem, was wir selbst tun würden, zu zwingen. Weil wir glauben, dominieren wollen, zu einem vermeintlich guten Zweck.

Dieser Weg, mit Kindern, und konsequenterweise auch mit Erwachsenen, umzugehen, wird historisch „Schwarze Pädagogik“ genannt. 

Am populärsten ist der Begriff im Zusammenhang mit den Werken der wichtigsten Erziehungsratgeber im Zweiten Weltkrieg von Johanna Haarer. In ihnen hielt die Lungenärztin Eltern dazu an, möglichst distanziert und empathielos mit ihren Kindern umzugehen, sie um jeden Preis „nicht (mit Liebe) zu verwöhnen“ und aus ihnen nur so starke Persönlichkeiten machen zu können. 

Bis heute hören junge Eltern Sätze wie „Du musst das Kind schreien lassen, das stärkt die Lungen.“, und lesen abends den „Struwwelpeter“ vor, in dem als Strafe für unangepasstes Verhalten Daumen abgeschnitten werden.

Damals war das eigentliche Ziel, abgestumpfte Soldaten in den Krieg schicken zu können. Die jungen Erwachsenen sollten Dienst nach Vorschrift tun und keinerlei Mitgefühl mit den Feinden haben, die sie auf dem Schlachtfeld oder im Internierungslager töteten.

Leider tragen wir, wie am Beispiel des oben genannten Zitates aus „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ erkennbar, die Schwarze Pädagogik bis heute in uns. Transgenerational wird zwischenmenschlicher Umgang weitergegeben. 

Eltern, die selbst als Kinder lieblos und roh behandelt, also im klassischen Sinne erzogen wurden, tun ganz automatisch das Gleiche mit ihren Kindern. So geschieht es bereits jahrzehntelang, auch wenn die Mittel heute subtiler sind. Von Hausarrest bis Fernseherverbot, von Belohnungsschokolade bis Zeugnisgeld, ist die Psychodynamik dahinter noch die Gleiche – einen anderen Menschen zum Objekt der eigenen Bewertung machen und mithilfe irgendwelcher Maßnahmen zu dem zu motivieren, was man selbst gut findet.

Manchmal muss man die Menschen eben zu ihrem Glück zwingen.

Nein, muss man nicht. 

Denn Glück ist verhandelbar, ebenso wie die Definition von Richtig und Falsch.

Und so geht meine Tochter ohne Jacke hinaus. Sie ist die Herrin über ihren Körper. Sie wird mir nach einiger Zeit sagen, dass es doch zu kalt ist und ich werde ihr ohne Vorwürfe die von mir in weiser Voraussicht mitgenommene Jacke reichen. Oder eben nicht, weil sie ein anderes Temperaturempfinden hat als ich. Ich vertraue meinem Kind.

Da ich ihr diesen Raum für sich selbst lasse, stimmt ihre Einschätzung auch und sie erkältet sich sehr selten. Und sollte das doch einmal der Fall sein, pflege ich sie liebevoll, halte ihr keine Standpauken, akzeptiere ihren Weg, Irrtümer eingeschlossen, von denen ich selbst schließlich viele in meiner eigenen Biografie verzeichnen kann.

Ich nehme sie als der eigenverantwortliche Mensch an, der sie ist. Selbstverständlich im Rahmen dessen, was sie ihrem Alter entsprechend einschätzen kann.

Was hat das alles nun mit unseren Politikern und Medien zu tun?

Sie zwingen uns eine Jacke auf, die wir gar nicht wollen. 

Von der wir fest überzeugt sind, sie nicht zu brauchen. Von der sie ständig behaupten, wir müssten sie anziehen, um damit andere vor der Kälte zu schützen, obwohl längst klar ist, dass diese Jacke nur einem selbst nützt, wenn überhaupt. Eventuell ist sie luftdurchlässig und nicht wasserdicht, doch das soll hier nicht das Thema sein. 

Sie behaupten außerdem, dass der Schnupfen, den wir dann bekommen würden, ihnen zur Last fiele und noch vielen, vielen anderen Menschen, von denen einfach zu wenige da sind. Seit über zwei Jahren. In denen mehr Menschen hätten lernen können, wie man einen Schnupfen am besten behandelt und bei wem. 

Denn nicht jeder Schnupfen ist gleich, bei einem Großteil der Menschen reicht es schon, eine gute Hühnersuppe zu kochen und sich auf dem Sofa einzukuscheln. 

So wie es Generationen vor uns taten, bei denen es noch keine Infektionszahlen zu verkünden und Todesangst zu verbreiten gab.

Verstehst du, worauf ich hinauswill?

Jeder einzelne von uns hat einen ganz anderen Blickwinkel auf das, was notwendig ist und was nicht. 

Der eine zieht eine Jacke an, der andere nicht. Der eine fühlt sich durch gewisse Dinge geschützt, der andere nicht.

Möglicherweise ist die Annahme, dass es eine richtige Wahrheit gibt, der Fehler im System. 

Dass eine gewisse Expertise dazu befähigt, für eine riesige Gruppe von Menschen Entscheidungen zu treffen, die dann alle freudig mittragen sollen, ohne sich übergriffig behandelt zu fühlen. 

Nur eine einzige Variante von „Richtig“ zuzulassen und all diejenigen, die sie anzweifeln, Veto einlegen und in Folge der Ignoranz dieses Widerspruchs einfach nicht mehr mitmachen, mit allerlei abwegigen Etiketten, Beleidigungen, Bestrafungen und Schikanen zu konfrontieren.

Zu Beginn dieser Pandemie habe ich einem Pädagogen sinngemäß gesagt, dass ich nicht einmal mit meinen noch sehr kleinen Kindern so entwürdigend umspringen würde. 

Nach Jesper Juul halte ich die Gleichwürdigkeit aller Menschen, kleine wie große, jeder Gestalt, Hautfarbe, Nationalität und Sexualität, uneingeschränkt ganz hoch und weigere mich dagegen, einem anderen Menschen meine Vorstellungen aufzuzwingen. Nicht meinen Kindern, nicht meinen Patienten, nicht jemandem, der für seinen Körper oder seine Kinder eine andere Entscheidung trifft als ich. Ich gestehe jedem die Eigenverantwortung zu, die er tragen kann. Bei mündigen Erwachsenen ist sie grenzenlos. So wie es übrigens auch das Grundgesetz vorsieht.

Wenn mich jemand nach meinem Richtig fragt, gebe ich eine Antwort aus meiner Perspektive. Ich höre mir auch gern die Gegenseite an, ohne sie mir zu eigen machen zu müssen. Es ist wichtig, zuzuhören, aufmerksam, bewusst, und wenigstens Verständnis für eine andere Sichtweise aufzubringen. Etiketten wie „rechts“, „links“, „Schwurbler“, „Covidiot“ sollten wir uns abgewöhnen und zuerst den Menschen sehen, der vor uns steht. 

Jeder hat Gründe für das, was er tut. Wer sind wir, das zu bewerten?

Ich möchte daran glauben, dass die übergriffige Politik der letzten beiden Jahre, gepaart mit einer teilweise an Propaganda erinnernden Medien Berichterstattung, auf all diese psychodynamischen, unbewusst historisch übernommenen Mechanismen eines jeden von uns zurück zu führen sind. 

Dass alles, was mit uns passiert ist, und so viele Opfer, in anderer Hinsicht als infektiologisch, gefordert hat, einem ehrlich guten Zweck dienen sollte. Sich irgendwann eine Art Selbstläufer Dynamik entwickelt hat, aus der die Verantwortlichen mittlerweile nicht mehr herauskommen würden, ohne ihr Gesicht zu verlieren.

Wir sollten wieder zusammenfinden. 

Uns vergeben, auch wenn das für viele schwer werden dürfte. 

Die Arme ausbreiten, aufeinander zu gehen. Dem anderen ohne Vorwürfe und Spott eine Jacke oder eine Hühnersuppe reichen. 

Denn aus Fehlern lernen wir. Um es dann besser zu machen. 

Diesmal mit mehr Liebe, Verständnis, Vertrauen und Empathie als jemals zuvor.

Skip to content