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Sarah´s Gedanken – Echte Nähe braucht keine Bedingungen.

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Dieser Staat ist übergriffig. Dieser Staat ist entwürdigend. Dieser Staat ist autoritär.

Ich möchte kein Teil dieses Staates mehr sein. Deshalb gehe ich. Kehre ihm den Rücken.

Nicht wortwörtlich, denn hier ist meine Heimat, mein Nest, mein Seelenort. Hier sind meine Kinder geboren, haben Verbundenheit, Wärme, Zuversicht erlebt. Mit uns und mit vielen anderen wunderbaren Menschen, die uns jeden Tag begegnen.

Wir treffen uns. Kommen uns ganz nah. Mittlerweile innerhalb weniger Minuten, denn es läuft ohne Umschweife auf die wichtigen Themen hinaus. Smalltalk war gestern, heute gibt es keine Zeit zu verlieren. Raus mit der Echtheit, die Maske kannst du stecken lassen, ich will sehen, wer du bist. 

Was liebst du? Wie lebst du? Woran glaubst du? Wofür schlägt dein Herz? Was macht dir Angst? Was möchtest du noch tun, bevor du stirbst? Was ist das Wichtigste in deinem Leben?

Nach nur zehn Minuten laufen uns beiden Tränen über die Wangen. In einem kleinen Raum, zwischen Tür und Angel, im Wartebereich, vielleicht zu dieser Praxis, doch es erscheint uns wie der für das Leben. Das Leben, das wir wirklich führen wollen. In dem niemand mehr fragt, was wir haben, sondern was wir brauchen. Und in dem wir frei sind, uns zu offenbaren, ohne dafür verspottet, diffamiert und ausgegrenzt zu werden.

Dieser authentische Ort existiert, nur eben nicht da draußen. Wahrscheinlich hat er das dort noch nie. Das, was wir Gesellschaft nennen, ist längst tot, vielleicht schon seit Jahrzehnten. Meine Eltern erzählen manchmal davon. In der DDR war nicht alles gut, doch immerhin gab es Gemeinschaft, Zusammenhalt, Lebendigkeit. 

Mir kommt es langsam so vor, als hätte ich mir diese Verbundenheit in den beinahe 30 Jahren meines bisherigen Lebens nur eingebildet. Die Disco Abende, Konzerte, Bartouren von früher fühlen sich in meiner Erinnerung fad und leer an. Vielleicht gab es hier und da ein echtes Gespräch über tiefe Gefühle, Sehnsüchte, Träume, meistens betrunken und ohne die Aussicht auf ein nächstes Mal, ein Aneinander-Wachsen, den Aufbau einer womöglich lebenslangen innigen Beziehung zu einem anderen Menschen, dem man blind vertraut.

Versteht mich nicht falsch, ich habe diese Menschen in meinem Leben. Doch die habe ich nicht dort draußen gefunden, sondern hier, direkt vor meiner Nase. Im kleinen Dorf Verein, beim Kräuter Lehrgang im Nachbarort, bei der Frage nach schneller Hilfe bei einem akuten Problem.

Lange habe ich sie nicht erkannt, sie waren ja da. Die wertvollsten Menschen in meinem Leben. Um ihre Zuwendung musste ich mich nie bemühen. Wir waren uns nah, wenn wir es brauchten und entfernten uns ein Stück, wenn es an der Zeit dafür war, um dann wieder zusammen zu finden. Ohne Vorwürfe. So ist es bis heute. 

Echte Nähe braucht keine Bedingungen.

Dieser Satz ist die größte Wahrheit in meinem Herzen. 

Die Welt da draußen, die Gesellschaft, das große Ganze, stellt mittlerweile so viele Bedingungen, dass es mich seelisch und körperlich krank macht.

Das ist nicht mehr meine Welt. Sie verlangt zu viel. Ich kann und will diesem Anspruch nicht gerecht werden. Sowieso erscheint er mir utopisch, wo sich die Forderungen schneller ändern als das Wetter, der Einzelne ohne mediale Dauerbeschallung gar nicht mehr herausfinden kann, was heute und was morgen plötzlich wieder illegal ist. 

In meinem Empfinden ist es ein zwischenmenschliches No Go, überhaupt irgendjemanden so herablassend zu behandeln. Ständig die Regeln zu ändern, sich derart unentwegt umzuentscheiden, dass es an Schikane grenzt. 

Und am Ende denjenigen die Schuld für weiß Gott was zuzusprechen, die einfach nur nichts gemacht haben. Die, die noch dieselben sind wie vor drei Jahren. Die, die noch wissen, wer sie sind. Menschen. Subjekte. Fühlende. Lebende. Liebende. Vor allem sich selbst.

Keine Maschinen, die nach den Vorstellungen eines Erfinders, Ministers oder Führers gebogen, gedrückt, modelliert und gezwängt werden können.

Wir treffen uns. Als Menschen. Hören uns zu, versuchen, zu verstehen, schätzen die Offenheit unseres Gegenübers und nehmen es in seiner Einzigartigkeit an. Wir wollen wirklich hören, was der andere zu sagen hat. Es interessiert uns. Wir glauben fest daran, dass unser größter Schatz unsere Menschlichkeit ist, Empathie, die Fähigkeit, uns in einen anderen Menschen hinein zu versetzen und ihn in seiner Verletzlichkeit anzunehmen. Es liegt uns fern, einander abzuwerten oder zu entwürdigen.

Hier ist mein Zuhause, mein Seelenort, eine Parallelgesellschaft der Gleichwürdigkeit. 

An diesem Ort gibt es sie noch, die Menschlichkeit. Dort draußen ist sie längst verloren. 

Deshalb bleibe ich hier. Gemeinsam mit den vielen wunderbaren Menschen um mich herum, die, so wie ich, ebenso in der Lage sind, die richtigen Fragen zu stellen und sich innerhalb von zehn Minuten weinend in den Armen zu liegen. Voller Liebe, voller Wärme, voller Zuversicht auf ein würdevolles Leben ohne das grauenvolle, menschenfeindliche Chaos da draußen.

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